Ohne Unrechtsbewusstsein
Grundbuchauszüge und Kaufvertr?ge belegen, wie C&A in Bremen die “Arisierung” jüdischen Grundbesitzes betrieb und in Berlin und Leipzig von russischen und holl?ndischen Zwangsarbeitern profitierte. Interne Unterlagen zeigen zudem zweifelsfrei den teils glühenden Nationalismus in der Chefetage. Gesch Franz Brenninkmeyer, 1890 in Mettingen geboren, dort 1969 vom Gemeinderat zum Ehrenbürger gekürt und 1972 zu Grabe getragen, schrieb nach dem überfall der Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, einen Brief an rund zwei Dutzend C&A-Gesch?ftsleiter, “schw?rt sie ein auf die nationalsozialistische Führung” und schw?rmt von “Volk und Vaterland”. ww2 uniforms waffen ss uniform german wwii uniforms
Bitte in die NSDAP eintreten
Alte Personalakten liefern auch Indizien, dass C&A leitende Angestellte ermunterte, in die NSDAP einzutreten. Und ein Jurist in C&A-Diensten wurde zu Kriegsbeginn als “Angeh?riger der Reiter-SS ins Konzentrationslager Buchenwald abkommandiert”. In einem nun aufgetauchten Brief an die Inhaber und die Gesch?ftsleitung von C&A schildert der SS-Mann stolz seine “Beteiligung an Verhaftungen von Juden im besetzten Polen”. Nach dem Krieg lie? er sich als Anwalt nieder und vertrat C&A in Wiedergutmachungs-Prozessen. Für Historiker Bosecker l?sst dies “ein tief sitzendes Unrechtsbewusstsein vermissen”.
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Eins der düstersten Kapitel ihrer Geschichte schrieb die Brenninkmeyer-Familie in Bremen. In der Hansestadt betrieben die jüdischen Schneider Chaim und Fanny Bialystock im eigenen Gesch?ftshaus Am Brill 14 den etablierten Herrenausstatter Adler. Direkt nebenan residierte C&A. Als Chaim Bialystock 1938 in Todesangst nach Holland geflüchtet war, versuchte seine Frau, über den jüdischen Makler Adolf Herz das Geb?ude zu verkaufen, um dann ihrem Mann ins vermeintlich sichere Ausland zu folgen.
Natürlich zeigten die Brenninkmeyers Interesse an der Immobilie in direkter Nachbarschaft, lehnten jedoch emp?rt den Zwischenh?ndler Herz ab. überhaupt boten sie gut ein Viertel weniger als den amtlichen Marktwert. Eine Anfrage der notverkaufswilligen Fanny Bialystock, ob sie nach einem anstehenden Besitzwechsel und bis zu ihrer Ausreise unentgeltlich in ihrer Wohnung bleiben k?nne, wurde von C&A brüsk zurückgewiesen. Stattdessen wurde ein Mietvertrag aufgesetzt, der nicht verl?ngert werden sollte, als sich die Ausreise verz?gert. Und als kurz vor der überschreibung im Grundbuch, w?hrend der Reichspogromnacht im November 1938, der nationalsozialistische Mob Schaufenster und Türen beim Herrenausstatter Adler zertrümmert, hielt C&A einen Teil des Kaufpreises zurück, bis der Schaden von Fanny Bialystock beglichen worden war. Posthum bereut C&A diese wahrlich unchristliche Hartherzigkeit; der Ausstellungskatalog erinnert nun an das Schicksal des Paares: “Fanny Bialystock und ihr Ehemann Chaim werden 1942 in Auschwitz ermordet.”
Menschen denunziert
Dieses unmoralische Gesch?ft war kein Einzelfall. “Das Unternehmen C&A profitiert erheblich von der Verdr?ngung von Juden aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben”, hei?t es im Katalog. Der Clan r?umt ein, “w?hrend der Naziherrschaft” im damaligen Deutschen Reich “zahlreiche Grundstücke von jüdischen Eigentümern” erworben zu haben, “darunter die Gesch?ftsh?user in der Hamburger M?nckebergstra?e, in Wuppertal-Elberfeld sowie in der Berliner Oranienstra?e”.
Manager des Unternehmens denunzierten zudem Juden: Georg August Brenninkmeyer, bis zu seinem Tod im Sommer 1953 gr??ter Teilhaber der deutschen C&A-Handelsfirma und Resident in Hamburg, sprang einem Mitarbeiter der Hauptverwaltung bei. Brenninkmeyer wollte keinem Angestellten zumuten, sich bei einem jüdischen Arzt untersuchen zu lassen. Der Mediziner hie? Max Besser. Er begutachtete als Vertrauensarzt im Auftrag verschiedener Versicherungsfirmen Antragstelle, die eine Lebensversicherung abschlie?en wollten. Brenninkmeyer pers?nlich teilte der Hauptverwaltung in Berlin mit, dass ein von der Versicherung benannter Vertrauensarzt ein Jude sein soll. Eine gleich lautende Meldung schickte C&A an die Versicherung.
Sp?ter wird zu Protokoll gegeben, dass der Arzt “für die Evakuierung nach dem Osten vorgesehen” war und “dieser Ma?nahme durch Selbstmord ausgewichen” sei.Sogenannte Stolpersteine an der Hammer Landstra?e 32 in Hamburg erinnern heute an die Eheleute K?the und Max Besser: “Entrechtet, gedemütigt. Flucht in den Tod am 7. November 1941.”
Für den Ausstellungskatalog wertete Historiker Bosecker auch Baupl?ne aus. Ende 1942 wurde zum Beispiel “das Dachgeschoss der Gubener Stra?e 47 für die Unterbringung von 100 Russinnen ausgebaut”. Dabei handelte es sich um eine C&A-Produktionsst?tte in Berlin. Der Wissenschaftler kommentiert: “Mit der Besch?ftigung von Zwangsarbeitern wird die Verstrickung tiefer.”
Nach Meinung von Bosecker haben C&A-Gesch?ftsführer mit den Denunziationen und mit der Beteiligung an Arisierungen “das Ma? blo?er Anpassung und Anbiederung überschritten”. Für den Forscher “unterwirft sich die Unternehmensführung zumindest in Einzelf?llen der nationalsozialistischen Rassenideologie”. Eine düstere Firmengeschichte.